Spinnrad kaufen: was ein gutes Spinnrad kostet
Martin BleichTeilen
„Was kostet eigentlich ein gutes Spinnrad?“ Diese Frage hören wir fast jeden Tag, per Mail, am Telefon und auf Märkten. Die ehrliche Antwort: weniger, als viele befürchten, und mehr, als ein Deko-Rad vom Flohmarkt. In diesem Ratgeber zeige ich dir, was ein Spinnrad zum Handspinnen in welcher Preisklasse kann, wie viel unsere Kunden tatsächlich ausgeben und worauf du beim Spinnrad kaufen achten solltest.
Kurz gesagt: Ein gutes Einsteigerrad bekommst du ab rund 400 €. Die meisten unserer Kunden geben um die 700 € für ihr Spinnrad aus. Ab etwa 1.300 € beginnt die Klasse der Räder, die man sich oft erst als zweites Rad gönnt, zum Beispiel ein Lendrum.
Spinnrad kaufen: was ein gutes Spinnrad kostet
Neue Spinnräder zum Handspinnen liegen grob zwischen 400 und 2.000 €. Der Preis hängt weniger an der Marke als an drei Dingen: dem Holz (massiv oder Multiplex), der Verarbeitung der Lager und Spulen und dem, was mitgeliefert wird. Ein Rad für 450 € kann genauso gut spinnen wie eins für 900 €. Das teurere ist oft schöner gedrechselt, hat mehr Übersetzungen oder ist klappbar.
Damit du nicht nur meine Meinung hörst, habe ich in unsere eigenen Zahlen geschaut. In den letzten zwölf Monaten haben wir 55 Spinnräder verkauft. Im Schnitt haben unsere Kunden dafür rund 700 € bezahlt. Rund drei Viertel aller Räder kosteten weniger als etwa 715 €. Nur drei Räder lagen deutlich darüber: zwei Lendrum-Komplettsets und ein Louet S10 Komplett Set.
Die meistverkauften Räder waren das Kromski Fantasia, das Kromski Prelude, das Kromski Minstrel und das Kromski Sonata Encore. Du siehst: Die meisten Spinnerinnen und Spinner starten mit einem soliden Rad in der Mitte und nicht mit dem teuersten Modell.
Die Preisklassen im Überblick
| Preisklasse | Was du bekommst | Beispiele |
|---|---|---|
| 400 bis 500 € | Gute Einsteigerräder, teils als Bausatz oder aus Buche | Louet S17 ab 390 €, Lojan Buddy ab 415 €, Kromski Fantasia ab 479 €, Kromski Prelude ab 489 € |
| 500 bis 900 € | Vollholz, klassische Formen, klappbare Reiseräder, modulare Räder | Kromski Interlude ab 599 €, Lojan Travel Buddy 620 €, Louet S10 Concept ab 648 €, Kromski Minstrel ab 679 €, Kromski Sonata Encore ab 799 €, Kromski Symphony ab 799 € |
| 900 bis 1.300 € | Große Räder mit viel Spielraum für feine und dicke Garne | Kromski Polonaise ab 919 €, lackierte Versionen von Sonata Encore und Symphony |
| ab 1.300 € | Besondere Räder und Komplettsets mit viel Zubehör | Lendrum Basisset 1.308 €, Louet Victoria Fully Loaded 1.449 €, Louet S10 Komplett Set 1.547 € |
400 bis 500 €: der solide Einstieg
In dieser Klasse liegen die Räder, mit denen die meisten anfangen. Das Louet S17 ist das günstigste Rad bei uns und kommt als Bausatz aus Buchen-Multiplex. Der Lojan Buddy hat fünf Übersetzungen und große Spulen. Und das Kromski Fantasia ist mit 479 € das Rad, das ich Einsteigern am liebsten empfehle: massives Holz, Doppeltritt, vier Übersetzungen und eine eingebaute Lazy Kate. Es ist nicht ohne Grund unser meistverkauftes Spinnrad.

500 bis 900 €: mehr Holz, mehr Form, mehr Möglichkeiten
Hier landen viele, die sich ganz bewusst für ein schönes Rad entscheiden. Das Kromski Minstrel ist ein Castle-Rad mit aufrechtem Schwungrad, das wenig Platz braucht und sehr ruhig läuft. Das Kromski Sonata Encore klappt ohne Werkzeug zusammen und passt in eine Tasche, ideal für Spinntreffen und Urlaub. Das Louet S10 Concept stellst du dir selbst zusammen und kannst es später umbauen. Wer hier kauft, kauft meistens ein Rad fürs Leben.

Ab 1.300 €: Lendrum und Komplettsets
Ab etwa 1.300 € wird es besonders. Das Lendrum Spinnrad aus Kanada ist für mich ein ganz besonderes Spinnerlebnis. Lendrum baut seit 1975 Spinnräder, und in der Spinnszene hat das Rad fast einen Kultstatus. Das hat Gründe: Es läuft sehr ruhig und gleichmäßig, wackelt beim Treten nicht und wandert nicht über den Boden. In unter zwei Minuten klappst du es ohne Werkzeug flach zusammen, das ist praktisch für kleine Wohnungen und Reisen.
Schon das Basisset hat drei Übersetzungen (6:1, 8:1 und 10:1), eine Lazy Kate mit Spannung und vier Spulen. Dazu gibt es viel Zubehör: einen schnellen Flügel für feine Garne, einen Zwirnflügel und den großen Mother of All Flügel für dicke Garne. Berliner Spinnräder war übrigens der erste Händler in Europa, der Lendrum anbieten durfte. Darauf sind wir ein bisschen stolz.
Auch die Komplettsets von Louet, etwa das Louet S10 Komplett Set, liegen in dieser Klasse. Sie lohnen sich, wenn du schon weißt, dass du feine und dicke Garne spinnen willst.

Komplettset oder Rad mit Zubehör einzeln kaufen?
Das hängt davon ab, was du spinnen willst. Ein Komplettset ist sinnvoll, wenn du schon weißt, dass du sehr feine Garne und dicke Effektgarne spinnen möchtest. Dann sparst du gegenüber dem Einzelkauf und hast alles beisammen. Für den Anfang reicht das Rad im Grundumfang aber fast immer. Du kannst jederzeit nachkaufen, wenn du merkst, in welche Richtung dein Spinnen geht. Einen Jumbo-Flügel oder zusätzliche Spulen bekommst du für die meisten Räder auch Jahre später noch.
Was kommt zum Preis des Spinnrads noch dazu?
Weniger, als du denkst. Spulen, Spinnöl und oft eine Lazy Kate sind bei den meisten Rädern dabei. Was unsere Kunden nach dem Rad am häufigsten dazukaufen, ist die Kromski Kreuzhaspel (Niddy Noddy) ab 15 €. Mit ihr wickelst du das fertige Garn zu einem Strang, damit du es waschen und messen kannst. Danach kommen zusätzliche Spulen ab 20 €, denn wer verzwirnen will, hat nie genug davon.

Dazu kommt die Faser, also Kammzug oder gewaschene Wolle. Rechne für die ersten Wochen mit 500 g bis 1 kg zum Üben. Wenn du erst einmal ausprobieren willst, ob dir Spinnen liegt, kannst du auch mit einem Handspindel-Set ab 38,50 € anfangen.
Neu oder gebraucht kaufen?
Gebrauchte Spinnräder gibt es schon für 100 bis 300 €. Das klingt verlockend, ist aber oft ein Glücksspiel: Viele alte Räder sind Deko-Räder, bei anderen fehlen Spulen, Flügel oder das Antriebsband. Ersatzteile für alte Modelle sind schwer zu bekommen. Wenn du ein gebrauchtes Rad kaufen willst, nimm unsere Checkliste für gebrauchte Spinnräder mit. Ein neues Einsteigerrad für 450 bis 500 € ist dagegen sofort einsatzbereit, hat Garantie und läuft vom ersten Tag an rund.
Worauf du beim Spinnrad kaufen achten solltest
- Tritt: Mit einem Doppeltritt trittst du gleichmäßiger, das ist für den Anfang oft leichter. Mehr dazu in unserem Ratgeber Einfachtritt oder Doppeltritt.
- Übersetzungen: Drei bis vier Übersetzungen reichen für fast alle Garne. Mehr brauchst du erst für sehr feine Garne.
- Platz: Wohnst du klein oder willst du das Rad mitnehmen, schau dir klappbare Räder wie das Sonata Encore, den Travel Buddy oder das Lendrum an.
- Ersatzteile: Kauf ein Rad, für das es Spulen, Flügel und Bänder auch in zehn Jahren noch gibt.
Welche Räder sich für den Einstieg am besten eignen, vergleiche ich ausführlich in Spinnrad für Anfänger: 6 Einsteigermodelle im Vergleich. Und wenn du dir noch unsicher bist, hilft dir unsere Seite Welches Spinnrad passt zu mir?
Häufige Fragen
Was kostet ein gutes Spinnrad?
Ein gutes neues Spinnrad zum Handspinnen bekommst du ab rund 400 €. Die meisten unserer Kunden geben um die 700 € aus. Besondere Räder wie das Lendrum beginnen bei etwa 1.300 €.
Welches Spinnrad soll ich als Anfänger kaufen?
Für die meisten Einsteiger empfehlen wir das Kromski Fantasia ab 479 €. Wer lieber mit einem Fuß tritt, ist mit dem Kromski Prelude gut beraten.
Lohnt sich ein gebrauchtes Spinnrad?
Manchmal. Prüfe vor dem Kauf, ob Flügel, Spulen und Antriebsband vorhanden sind und ob es Ersatzteile gibt. Viele alte Räder sind reine Deko-Räder.
Brauche ich zum Spinnrad noch Zubehör?
Am Anfang nur wenig. Eine Kreuzhaspel zum Abwickeln des Garns und etwas Wolle zum Üben. Spulen und Öl sind bei den meisten Rädern dabei.
Ist ein Komplettset günstiger als Einzelteile?
Ja, wenn du das Zubehör wirklich nutzt. Für den Einstieg reicht aber meistens das Rad im Grundumfang, nachkaufen kannst du jederzeit.