Handspindel oder Spinnrad: Kromski Handspindeln und eine Spinnerin am Kromski Fantasia

Handspindel oder Spinnrad: womit anfangen?

Martin Bleich

„Soll ich mit einer Handspindel anfangen oder gleich ein Spinnrad kaufen?“ Diese Frage bekomme ich ständig, am Telefon, per Mail und vor allem auf Märkten. Dort kommen die meisten Menschen zum ersten Mal mit dem Spinnen in Berührung: Jemand sitzt am Stand, das Rad schnurrt, aus einer Wolke Wolle wird ein Faden, und plötzlich will man das auch können. In diesem Ratgeber erzähle ich dir, was ich in den letzten Jahren dazu gelernt habe, was unsere Kursleiterin Vanessa sagt und welcher Weg sich für die meisten Spinnerinnen und Spinner bewährt hat.

Kurz gesagt: Wenn du nicht viel Geld ausgeben willst, fang mit einer guten Handspindel ab 12,50 € an. Damit merkst du, ob Spinnen dein Ding ist. Danach lohnt sich ein Spinnkurs, und wenn es dich gepackt hat, ein Spinnrad wie das Kromski Fantasia. Leichter ist die Spindel aber nicht für jeden.

Handspindel oder Spinnrad: was ist leichter für den Anfang?

Viele glauben, die Handspindel sei die einfache Variante und das Spinnrad die schwere. Das stimmt so nicht. Wie jemand ins Spinnen findet, ist sehr individuell. Manche kommen mit der Spindel sofort zurecht, andere verzweifeln daran und sitzen am Spinnrad nach einer Stunde entspannt da.

Ich selbst gehöre zur zweiten Gruppe. Mit der Handspindel werde ich ehrlich gesagt nicht richtig warm. Ich mag es, ein großes Rad vor mir zu haben, gleichmäßig zu treten und die Wolle durch die Hände laufen zu lassen. Vanessa, die bei uns Spinnkurse gibt, geht es ähnlich: Sie findet die Spindel persönlich schwieriger als das Rad. Trotzdem empfehlen wir beide vielen Einsteigerinnen und Einsteigern, mit der Spindel anzufangen. Warum, erkläre ich weiter unten.

Gleiches Garn, andere Bewegung

Am Ende machen Handspindel und Spinnrad genau dasselbe: Sie drehen Fasern zu einem Faden. Das Ergebnis ist Garn, egal welches Werkzeug du benutzt. Nur die Art zu spinnen ist eine andere.

Bei der Handspindel, auch Fallspindel genannt, hängt der Faden an einem Stab mit Wirtel. Du versetzt die Spindel mit der Hand in Drehung, lässt sie nach unten hängen und ziehst mit den Fingern die Fasern aus. Wenn genug Drall im Faden ist, wickelst du das Stück auf und beginnst von vorn. Spinnen und Aufwickeln wechseln sich also ab.

Am Spinnrad übernimmt der Fuß den Antrieb. Du trittst, das Schwungrad dreht den Flügel, und der fertige Faden wird gleichzeitig auf die Spule gezogen. Deine Hände sind frei, um die Fasern zu führen. Deshalb geht es am Rad deutlich schneller, wenn du es einmal raushast.

Die eigentliche Hürde ist bei beiden gleich: der Flow

Das Schwierige ist bei Spindel und Rad dasselbe. Du musst deinen Rhythmus finden. Bei der Spindel heißt das: Wie lange lasse ich sie drehen? Wann lasse ich den Drall nach oben laufen, und wann ziehe ich die Fasern nach? Lässt du zu lange drehen, kringelt sich der Faden. Ziehst du zu früh, wird er dünn und reißt.

Am Spinnrad sind es andere Fragen, aber genauso viele. Du musst gleichmäßig treten, die Fasern im richtigen Moment loslassen und gleichzeitig ausziehen. Drei Bewegungen, die am Anfang nicht zusammenpassen wollen. Beides ist gleich schwer zu lernen. Irgendwann macht es klick, und dann denkst du nicht mehr darüber nach.

Einen Vorteil hat die Spindel, auf den Vanessa in ihren Kursen gern hinweist: Der Faden reißt nicht so schnell ab. Du hast mehr Zeit, weil die Spindel nur so lange dreht, wie du sie angeworfen hast, und nichts zieht dir den Faden aus der Hand. Am Rad passiert das am Anfang öfter.

Handspindel kaufen: worauf es ankommt

Der größte Vorteil der Handspindel ist der Preis. Eine gute Spindel kostet einen Bruchteil eines Spinnrads. Wenn du erst einmal ausprobieren willst, ob dir das ruhige, gleichmäßige Arbeiten liegt, ist das der günstigste Weg. Genau das sagt auch Vanessa: Starte mit der Spindel, weil sie wenig kostet, und kauf das Rad später.

Ein Rat ist mir dabei wichtig: Kauf keine billige Plastikspindel. Eine Spindel braucht Gewicht, damit sie dreht und vor allem weiterdreht. Ist sie zu leicht, bleibt sie nach ein paar Umdrehungen stehen, dreht womöglich zurück, und du kämpfst mehr mit dem Werkzeug als mit der Wolle. Viele, die mit einer solchen Spindel angefangen haben, glauben danach, Spinnen sei nichts für sie. Schade, denn am Werkzeug lag es.

Ich mag die Handspindeln von Kromski sehr. Sie sind etwas schwerer, laufen ruhig und man kann damit richtig gut arbeiten. Die Kromski Handspindel ist eine Top-Whorl-Spindel aus Holz mit 85 g und einem Wirtel von 10 cm Durchmesser. Sie kostet ab 12,50 €. Wer verschiedene Gewichte ausprobieren möchte, nimmt das Kromski Handspindel-Set ab 38,50 € mit drei Spindeln für feinere und dickere Garne. In den letzten zwölf Monaten haben wir 69 Kromski Handspindeln verkauft. Für viele war das der erste Schritt.

Kromski Handspindeln aus Holz in verschiedenen Farben

Mein Rat: erst Spindel, dann Kurs, dann Spinnrad

Bei unseren Spinnkursen fällt mir immer wieder dasselbe auf. Fast alle, die kommen, haben irgendwann schon eine Handspindel gekauft. Sie haben zu Hause probiert, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg, und wollten es dann richtig lernen. Am Ende des Kurses haben sich alle für ein Spinnrad entschieden.

Daraus ist meine Empfehlung entstanden:

  • Erst die Handspindel: Der Einstieg kostet wenig, und du merkst schnell, ob dich Spinnen fesselt.
  • Dann ein Spinnkurs: Dort sitzt du an verschiedenen Rädern, bekommst Hilfe beim Flow und siehst, was dir liegt.
  • Dann das Spinnrad: Jetzt weißt du, was du willst, und kaufst gezielt.

Die aktuellen Termine findest du auf unserer Seite Spinnkurse. Die Spindel ist danach übrigens nicht überflüssig. Viele nehmen sie mit auf Reisen oder zum Spinntreffen, weil sie in jede Tasche passt.

Wann du direkt mit dem Spinnrad anfangen kannst

Die Spindel ist kein Pflichtprogramm. Wenn du schon weißt, dass du spinnen willst, weil du es bei Freunden ausprobiert hast oder schon lange davon träumst, kannst du auch direkt mit dem Rad starten. Das gilt auch, wenn du größere Mengen Garn für Pullover oder Decken spinnen willst. Am Rad bist du schlicht schneller.

Unser meistverkauftes, beliebtes Einsteigerrad ist das Kromski Fantasia ab 479 €. Rund 40 Prozent aller Räder, die wir verkaufen, sind Fantasias. Es hat einen Doppeltritt, massives Holz und läuft auch für Anfängerinnen und Anfänger sehr gleichmäßig. Wer lieber mit einem Fuß tritt, ist mit dem Kromski Prelude ab 489 € gut beraten, unserem meistverkauften Rad mit Einfachtritt.

Kromski Fantasia Spinnrad in Wiesengrün

Einen ausführlichen Vergleich der Einsteigermodelle findest du in Spinnrad für Anfänger: 6 Einsteigermodelle im Vergleich. Was ein gutes Rad kostet und wie viel unsere Kunden ausgeben, steht in Spinnrad kaufen: was ein gutes Spinnrad kostet.

Dicke Garne und Art Yarn: lieber am Spinnrad

Wenn du von dicken, flauschigen Garnen oder Effektgarnen mit Noppen und Schlaufen träumst, würde ich dir zum Spinnrad raten. Auf der Spindel ist Art Yarn deutlich schwieriger. Das dicke Garn wird schnell schwer, die Spindel verliert an Schwung, und große Mengen passen kaum auf den Schaft.

Am Rad brauchst du dafür vor allem eine große Einzugsöffnung. Der Lojan Buddy ab 455 € hat eine offene Einzugsführung mit 18 mm und große Spulen. Er ist deshalb ein gutes Rad für dicke Garne und Art Yarn. Bei Kromski kannst du dein Rad nachrüsten: Für das Fantasia gibt es das Fantasia & Sonata Jumbo-Flyer-Set ab 169 € mit größerer Spule und größerer Öffnung. Damit der Jumbo-Flügel ins Fantasia passt, brauchst du zusätzlich das Fantasia Jumbo-Öffnungsset für 26 €. Du musst dich also nicht gleich am Anfang entscheiden.

Lojan Buddy Spinnrad mit Doppeltritt aus Buche

Handspindel und Spinnrad im Vergleich

Handspindel Spinnrad
Preis ab 12,50 € ab rund 400 €
Lernen Drehen, Drall laufen lassen, Fasern ausziehen Treten, Fasern loslassen und ausziehen
Tempo langsam, Spinnen und Aufwickeln im Wechsel deutlich schneller, das Garn läuft direkt auf die Spule
Dicke Garne und Art Yarn schwierig gut, mit großer Öffnung oder Jumbo-Flügel
Mitnehmen passt in jede Tasche nur klappbare Räder sind wirklich mobil

Was du sonst noch zum Start brauchst

Nicht viel. Neben Spindel oder Rad brauchst du etwas Wolle zum Üben. Und sobald dein erstes Garn fertig ist, eine Kromski Kreuzhaspel ab 15 €. Damit wickelst du das Garn zu einem Strang, damit du es waschen und messen kannst. Die Kreuzhaspel brauchst du bei Spindel und Rad gleichermaßen.

Wenn du schon weißt, dass es ein Rad werden soll, und dir noch unsicher bist, welches, hilft dir unsere Seite Welches Spinnrad passt zu mir?

Häufige Fragen

Ist eine Handspindel leichter als ein Spinnrad?
Nicht unbedingt. Das ist sehr individuell. Die Hürde ist bei beiden dieselbe: den Rhythmus aus Drehen, Drall und Ausziehen zu finden. Manche kommen mit der Spindel besser zurecht, andere mit dem Rad.

Welche Handspindel ist gut für Anfänger?
Eine Top-Whorl-Spindel aus Holz mit genug Gewicht, damit sie lange dreht. Die Kromski Handspindel mit 85 g ist ein guter Start. Von leichten Plastikspindeln rate ich ab.

Was kostet der Einstieg ins Spinnen?
Mit einer Handspindel ab 12,50 € oder einem Spindel-Set ab 38,50 €. Ein gutes neues Spinnrad bekommst du ab rund 400 €, unser beliebtestes Einsteigerrad, das Kromski Fantasia, ab 479 €.

Ist das Garn von Spindel und Spinnrad unterschiedlich?
Nein. Beide drehen Fasern zu Garn, nur die Bewegung ist eine andere. Am Rad geht es schneller, und sehr dicke Garne sind dort einfacher.

Brauche ich einen Spinnkurs?
Nicht zwingend, aber er hilft enorm. Im Kurs bekommst du Hilfe genau bei der schwierigsten Stelle, dem Flow. Und du kannst verschiedene Räder ausprobieren, bevor du kaufst.

Zur Übersicht aller Ratgeber