Handspindel kaufen und benutzen: Kromski Handspindeln aus Holz

Handspindel kaufen und benutzen: Anleitung in 7 Schritten

Martin Bleich

Eine Handspindel ist der günstigste Weg, das Spinnen auszuprobieren. Ein Stab, ein Wirtel, ein Haken, mehr ist es nicht.

Trotzdem scheitern viele am Anfang. Meistens liegt es an zwei Dingen: an der falschen Spindel oder daran, dass ihnen niemand den Ablauf gezeigt hat.

In diesem Ratgeber erkläre ich dir, worauf du beim Kauf achten solltest und wie du in sieben Schritten deinen ersten Faden spinnst. Dazu gibt es Tipps von Vanessa, die bei uns die Spinnkurse leitet und schon sehr vielen Spinnerinnen und Spinnern die ersten Meter Garn beigebracht hat.

Kurz gesagt

  • Kauf eine Spindel aus Holz mit etwas Gewicht, für den Anfang zwischen 60 und 100 g. Von leichten Plastikspindeln rate ich ab.
  • Top Whorl (Wirtel oben) ist für Einsteigerinnen und Einsteiger am einfachsten.
  • Am häufigsten verkaufen wir die Kromski Handspindel in Unlackiert für 12,50 €.
  • Fang mit der Methode „Parken und Ausziehen“ an: Erst drehen, dann die Spindel festhalten und in Ruhe die Fasern ausziehen.
  • Außer Spindel und Wolle brauchst du eigentlich nur noch eine Kreuzhaspel.

Handspindel kaufen: worauf es ankommt

Handspindeln sehen auf den ersten Blick alle gleich aus. Beim Spinnen merkst du aber sofort, ob eine Spindel gut läuft. Vier Punkte sind wichtig.

Top Whorl oder Bottom Whorl

Der Wirtel ist die Scheibe, die der Spindel ihren Schwung gibt.

  • Top Whorl: Der Wirtel sitzt oben, direkt unter dem Haken.
  • Bottom Whorl: Der Wirtel sitzt unten, der Faden wird oben am Schaft mit einer Schlinge gehalten.

Mit beiden kannst du gutes Garn spinnen. Für den Anfang empfehle ich dir eine Top-Whorl-Spindel. Sie lässt sich leicht mit den Fingern anwerfen, dreht schnell, und das Garn wickelst du unter dem Wirtel auf, wo es nicht im Weg ist.

Bottom-Whorl-Spindeln drehen etwas ruhiger und werden oft über den Oberschenkel angerollt. Viele historische Spindeln aus Europa sind so gebaut. Wenn du später Lust darauf hast, probier sie aus. Für die ersten Meter ist Top Whorl einfacher.

Drei Kromski Handspindeln in Orange, Türkis und Flieder mit gesponnenem Garn

Kromski Handspindeln (Top Whorl) mit gesponnenem Garn

Das Gewicht

Das ist für mich der wichtigste Punkt. Eine Spindel braucht Gewicht, damit sie dreht und vor allem weiterdreht. Ist sie zu leicht, bleibt sie nach ein paar Umdrehungen stehen oder dreht sogar zurück, und dein Faden fällt auseinander.

  • 60 bis 100 g: richtig für den Anfang. Damit spinnst du mittlere Garne, wie du sie zum Stricken brauchst.
  • Unter 30 g: für feine Garne gedacht, verlangt Übung.

Das Material

Kauf keine billige Plastikspindel. Ich habe schon oft erlebt, dass jemand damit angefangen hat und danach glaubte, Spinnen sei nichts für ihn. Dabei lag es am Werkzeug.

Eine gute Holzspindel ist sauber ausgewuchtet, läuft ruhig und eiert nicht. Achte auch auf einen glatten Haken, an dem der Faden nicht hängen bleibt.

Unsere Empfehlung

Ich mag die Handspindeln von Kromski sehr. Sie sind etwas schwerer, laufen ruhig und man kann damit richtig gut arbeiten.

Die Kromski Handspindel ist eine Top-Whorl-Spindel aus Holz:

  • 30,5 cm lang, 85 g schwer, Wirtel mit 10 cm Durchmesser
  • unlackiert 12,50 €, lackiert, in Walnuss oder Mahagoni 14 €, in Farbe 17 €

In den letzten zwölf Monaten haben wir 69 Kromski Handspindeln verkauft. Am häufigsten ging die unlackierte Version über den Tisch, 23 Stück. Sie ist auch die Spindel, die ich Einsteigerinnen und Einsteigern empfehle.

Wenn du gleich mit Wolle starten willst, nimmst du das Kromski Handspindel-Set ab 38,50 €: Spindel, 113 g Merinowolle, Anfangsfaden und Anleitung. Im Handspindel-Set Deluxe ab 60 € liegt zusätzlich eine kleine Kreuzhaspel bei, mit der du dein Garn zum Strang wickelst.

Kromski Handspindel aus unlackiertem Holz, Top Whorl mit 85 g

Kromski Handspindel, unlackiert, 85 g, 12,50 €

Handspindel benutzen in 7 Schritten

Bevor du loslegst, ein ehrliches Wort: Ich selbst werde mit der Handspindel nicht richtig warm und sitze lieber am Spinnrad. Auch Vanessa findet die Spindel schwieriger.

Das Schwierige ist der Flow. Wie lange lässt du die Spindel drehen? Wann lässt du den Drall in die Fasern laufen? Das lernst du nur durch Wiederholen.

Einen Vorteil hat die Spindel aber, auf den Vanessa gern hinweist: Der Faden reißt nicht so schnell ab wie am Rad. Du hast Zeit.

Schritt 1: Fasern vorbereiten

Teil deinen Kammzug der Länge nach in schmale Streifen, etwa so dick wie dein Daumen. Zieh jeden Streifen vorsichtig etwas auseinander, damit sich die Fasern lockern.

Vanessa rät, mit einer leicht klebrigen Wolle zu beginnen, die noch nicht ganz ausgewaschen ist. Das restliche Wollfett sorgt dafür, dass die Fasern besser zusammenhalten. Sehr glatte, rutschige Fasern wie Seide oder superfeine Merino hebst du dir für später auf.

Schritt 2: Anfangsfaden befestigen

Nimm ein Stück festes Wollgarn, etwa 50 cm lang. Knote es unter dem Wirtel am Schaft fest, wickle es ein paar Mal um den Schaft, führe es über den Rand des Wirtels nach oben und hänge es in den Haken.

Das freie Ende fächerst du etwas auf und legst es auf die Spitze deiner Fasern, sodass sich beide ein paar Zentimeter überlappen.

Kromski Handspindel-Set Deluxe mit Handspindel, Kreuzhaspel und gelber Wolle

Kromski Handspindel-Set Deluxe mit Kreuzhaspel, ab 60 €

Schritt 3: Spindel andrehen

Halte den Anfangsfaden mit den Fasern in einer Hand. Mit der anderen drehst du den Schaft oberhalb des Wirtels kräftig im Uhrzeigersinn. Merke dir die Richtung und bleib dabei.

Der Drall läuft jetzt in die Überlappung und verbindet Anfangsfaden und Fasern.

Schritt 4: Parken und ausziehen

Parken und Ausziehen ist eine bewährte Methode für den Anfang. Sobald die Spindel ein paar Umdrehungen gemacht hat, hältst du sie an, zum Beispiel zwischen den Knien. Jetzt hast du beide Hände frei.

  • Die hintere Hand hält den Faservorrat locker.
  • Die vordere Hand kneift den Faden direkt unterhalb ab, damit der Drall nicht weiterläuft.
  • Dann ziehst du mit der hinteren Hand ein Stück Fasern aus, etwa eine Handbreit.
Kromski Handspindeln in Türkis und Flieder in einem Bastkorb mit Wolle

Kromski Handspindeln mit Wolle zum Üben

Schritt 5: Drall hochlaufen lassen

Öffne die vordere Hand. Der Drall wandert in die ausgezogenen Fasern und macht daraus Garn. Ist das Stück fest genug, ziehst du das nächste aus.

Wird die Spindel langsamer, drehst du sie neu an, bevor sie stehen bleibt. Mit der Zeit lässt du die Spindel hängen und frei drehen, während du ausziehst. Das ist dann echtes Fallspindelspinnen.

Schritt 6: Garn aufwickeln

Wenn der Faden so lang ist, dass die Spindel fast den Boden berührt, nimmst du ihn aus dem Haken und vom Wirtel.

Wickle das Garn unter dem Wirtel um den Schaft, am besten in Form eines Kegels, der zur Mitte hin dicker wird. Lass etwa 30 cm übrig, führe sie wieder über den Wirtel und hänge sie in den Haken.

Kromski Handspindeln mit aufgewickeltem Garn auf dunklem Hintergrund

Aufgewickeltes Garn unter dem Wirtel der Kromski Handspindel

Schritt 7: Weiterspinnen und anstücken

Jetzt geht es von vorn los: drehen, parken, ausziehen, Drall laufen lassen.

Ist dein Faserstreifen zu Ende, fächerst du das Ende des alten und den Anfang eines neuen Streifens auf und legst beide ein paar Zentimeter übereinander. Lass Drall hineinlaufen, und die beiden Stücke verbinden sich ohne Knoten.

Rechne damit, dass die ersten Meter dick und dünn werden. Das gehört dazu. Viele mögen gerade dieses erste, unregelmäßige Garn besonders gern.

Typische Fehler beim Spinnen mit der Handspindel

Die Fasern zu fest halten. Das ist laut Vanessa der häufigste Fehler überhaupt. Wenn die hintere Hand den Faservorrat zu fest umklammert, lassen sich die Fasern nicht gleichmäßig ausziehen.

Dann kommt zu viel Drall auf zu wenig Fasern, und das Garn wird ungleichmäßig und drahtig. Halte die Fasern so locker, als hättest du einen kleinen Vogel in der Hand.

Die Spindel dreht zurück. Wenn du nicht aufpasst, bleibt die Spindel stehen und dreht in die andere Richtung. Dabei läuft der Drall wieder aus dem Faden, und er fällt auseinander. Halte die Spindel an, bevor sie stoppt, oder dreh sie rechtzeitig neu an.

Kromski Handspindel-Set in Pastellfarben mit rosa Wolle

Kromski Handspindel-Set mit Merinowolle, ab 38,50 €

Zu viel Drall. Kringelt sich der Faden zu kleinen Locken, sobald er locker hängt, war zu viel Drall drin. Zieh beim nächsten Stück etwas mehr Fasern aus oder lass die Spindel nicht so lange drehen.

Zu wenig Drall. Zerfällt der Faden, wenn du daran ziehst, fehlt Drall. Lass ihn länger laufen, bevor du weiter ausziehst.

Eine zu leichte Spindel. Wenn du ständig neu andrehen musst, liegt es oft nicht an dir, sondern an der Spindel. Mit 60 bis 100 g geht es am Anfang deutlich leichter.

Was du außer der Spindel brauchst

Nicht viel. Vanessa sagt es so: Außer der Spindel brauchst du eigentlich nur eine Kreuzhaspel. Und natürlich Wolle zum Üben.

Die Kreuzhaspel war in den letzten zwölf Monaten übrigens unser meistverkaufter Artikel überhaupt. Du brauchst sie auch später am Spinnrad.

Kromski Kreuzhaspeln in verschiedenen Farben in einem Korb mit Spinnwolle und Handgesponnenem

Kromski Kreuzhaspel (Niddy Noddy), ab 15 €

Und danach: Spinnkurs und Spinnrad

Viele fangen mit der Spindel an, weil sie günstig ist. Das finde ich richtig.

Bei unseren Spinnkursen fällt mir aber immer wieder auf, dass fast alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Hause schon mit einer Handspindel probiert haben. Im Kurs lernen sie dann den Flow richtig, und am Ende entscheiden sich die meisten für ein Spinnrad, weil es schneller geht. Die aktuellen Termine findest du auf unserer Seite Spinnkurse.

Ob du überhaupt mit der Spindel anfangen solltest, erkläre ich ausführlich in Handspindel oder Spinnrad: womit anfangen?. Wenn es ein Rad werden soll, hilft dir Spinnrad für Anfänger: 6 Einsteigermodelle im Vergleich und unsere Seite Welches Spinnrad passt zu mir?

Spinnen am Lojan Buddy Doppeltritt-Spinnrad mit blauem Garn auf der Spule

Lojan Buddy Spinnrad im Einsatz

Häufige Fragen

Welche Handspindel ist gut für Anfängerinnen und Anfänger?
Eine Top-Whorl-Spindel aus Holz mit 60 bis 100 g. Sie dreht lange genug, damit du in Ruhe ausziehen kannst. Unsere meistverkaufte Spindel für den Einstieg ist die Kromski Handspindel mit 85 g in Unlackiert für 12,50 €.

Top Whorl oder Bottom Whorl: was ist besser?
Beide spinnen gutes Garn. Top Whorl lässt sich leichter anwerfen und dreht schneller, deshalb ist sie für den Anfang einfacher. Bottom Whorl dreht ruhiger und ist eher etwas für später.

Welche Wolle eignet sich zum Spinnen lernen?
Eine mittelfeine, griffige Wolle als Kammzug. Vanessa empfiehlt Wolle, die noch nicht ganz ausgewaschen ist und sich leicht klebrig anfühlt, weil die Fasern dann besser zusammenhalten. Rutschige Fasern wie Seide sind am Anfang schwierig.

Kromski Handspindel auf grüner Wolle aus dem Handspindel-Set Deluxe

Merinowolle zum Üben im Kromski Handspindel-Set Deluxe

Warum wird mein Garn so ungleichmäßig?
Meist hältst du die Fasern zu fest. Dann lassen sie sich nicht gleichmäßig ausziehen, und der Drall sammelt sich an den dünnen Stellen. Lockerer halten, kleinere Stücke ausziehen und die Spindel parken hilft.

Wie lange dauert es, bis ich mit der Handspindel spinnen kann?
Einen ersten Faden schaffen die meisten an einem Nachmittag. Bis der Flow sitzt und das Garn gleichmäßig wird, brauchst du ein paar Wochen Übung. In einem Spinnkurs geht es deutlich schneller.

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