E-Spinner: Lohnt sich ein elektrisches Spinnrad?
Martin BleichTeilen
Immer öfter fragt mich jemand: „Lohnt sich ein E-Spinner, oder soll ich lieber ein richtiges Spinnrad kaufen?“ Eine ehrliche Antwort darauf gibt es, aber sie hängt davon ab, wie du spinnen willst, wie viel Platz du hast und was dir beim Spinnen wichtig ist.
In diesem Ratgeber erkläre ich dir, was ein Elektrospinner eigentlich ist, für wen er sich lohnt, wo der Unterschied zum Spinnrad mit Tritt liegt und welches Modell ich Anfängern empfehle.
Kurz gesagt
- Ein E-Spinner ersetzt Schwungrad und Trittbrett durch einen kleinen Motor. Gesponnen wird weiterhin mit den Händen.
- Er braucht sehr wenig Platz und hilft, wenn dir das Treten mit den Beinen schwerfällt.
- Wer viel Garn spinnen oder für den Verkauf produzieren will, kommt mit einem E-Spinner schneller voran.
- Für Anfänger passen beide Wege: ein E-Spinner oder ein Doppeltritt-Spinnrad wie das Kromski Fantasia oder der Lojan Buddy.
Was ist ein E-Spinner?
Ein E-Spinner, auch Elektrospinner oder elektrisches Spinnrad genannt, ist im Grunde ein Spinnrad ohne Rad. Statt Schwungrad und Trittbrett treibt ein kleiner Elektromotor Flügel und Spule an. Die Geschwindigkeit stellst du mit einem Regler ein, beim Louet Jenn-E zum Beispiel mit einem Fußpedal. Die Drehrichtung wechselst du per Knopfdruck, etwa zum Verzwirnen.
Alles andere bleibt gleich. Du ziehst die Fasern mit den Händen aus, der Faden bekommt Drall und wird auf die Spule gewickelt. Flügel, Spule und Einzug funktionieren wie bei jedem anderen Spinnrad.
Der große Unterschied ist die Größe. Die kleinsten Modelle sind kaum größer als ein Schuhkarton und wiegen rund 2 kg. Ein E-Spinner steht auf dem Tisch, im Regal oder reist in einer Tasche mit zum Spinntreffen.
Für wen lohnt sich ein Elektrospinner?
Vor Kurzem hat mich eine Kundin angeschrieben und erzählt, warum sie sich für einen E-Spinner entschieden hat. Ich vermute, bei ihr waren es die Beine. Das ist einer der häufigsten Gründe, aber nicht der einzige. Aus den Gesprächen mit Kundinnen und Kunden sehe ich vor allem vier.
Wenn dir das Treten schwerfällt
Beim Spinnrad treibst du das Rad mit den Füßen an, oft über Stunden. Wer Probleme mit Knien, Hüfte oder Beinen hat, merkt das. Beim E-Spinner fällt das weg. Du sitzt bequem und konzentrierst dich nur auf die Hände.
Wenn du wenig Platz hast
Ein Spinnrad braucht eine eigene Ecke im Raum. Ein E-Spinner ist sehr platzsparend. Nach dem Spinnen räumst du ihn in den Schrank oder lässt ihn einfach auf dem Schreibtisch stehen.
Wenn du Strecke machen willst
Spinnst du nicht nur zum Spaß, sondern willst wirklich Garn produzieren, vielleicht sogar für den Verkauf? Dann ist ein E-Spinner eine gute Sache. Der Motor läuft gleichmäßig, und du kommst schneller voran.
Wenn das Budget da ist
Am Ende ist es auch eine Geldfrage. Ein E-Spinner kostet bei uns zwischen 740 und gut 1.100 €, ein gutes Einsteigerrad gibt es ab rund 450 €. Wenn das Geld da ist und der Platz knapp, würde ich selbst auch eher zum E-Spinner greifen.
Wer besser beim Spinnrad mit Tritt bleibt
Viele, die spinnen, lieben genau dieses Gefühl: das Holzrad, das sich dreht, der ruhige Takt der Füße, das leise Klappern. Das hat etwas Idyllisches, und ich mag das selbst sehr gern.
Wenn du beim Spinnen vor allem zur Ruhe kommen willst und dich ein schönes Rad aus Holz im Wohnzimmer freut, wirst du mit einem klassischen Spinnrad glücklicher. Der E-Spinner ist eher etwas für Leute, die nicht so nostalgisch sind und ein praktisches Werkzeug suchen.
Das klassische Spinngefühl: Kromski Fantasia
E-Spinner oder Spinnrad: der Unterschied beim Spinnen
Ehrlich gesagt sehe ich beim E-Spinner keine echten Nachteile. Ein Missverständnis höre ich aber öfter: Der E-Spinner spinnt nicht von allein. Du arbeitest genauso mit den Händen, ziehst die Fasern aus und steuerst, wie dick der Faden wird. Der Motor ersetzt nur deine Füße.
Das Spinngefühl ist deshalb sehr ähnlich. Und das Treten am Spinnrad ist nach einer Weile auch kein Thema mehr, es geht dir in Fleisch und Blut über.
Ein echter Vorteil des E-Spinners ist die Geschwindigkeit. Du stellst sie am Regler ein, langsam für dicke Garne, schneller für feine. Das ist wirklich sehr komfortabel. Am Spinnrad änderst du die Übersetzung über den Wirtel oder trittst schneller und langsamer.
| E-Spinner | Spinnrad mit Tritt | |
|---|---|---|
| Antrieb | Elektromotor | Füße über Trittbrett und Rad |
| Geschwindigkeit | stufenlos am Regler | über Wirtel und Tritttempo |
| Platzbedarf | passt auf den Tisch | braucht eine Ecke im Raum |
| Strom | ja, Netzteil | nein |
| Preis bei uns | 740 bis 1.148 € | ab 415 € |
| Spinnen mit den Händen | genauso wie am Spinnrad | genauso wie am E-Spinner |
E-Spinner für Anfänger: ja oder nein?
Das ist individuell. Am Anfang musst du am Spinnrad zwei Dinge gleichzeitig lernen: gleichmäßig treten und mit den Händen die Fasern ausziehen. Gerade im Kurs sehe ich, dass das Treten am Anfang ein Thema ist. Wer mit dem E-Spinner anfängt, muss sich nicht auf die Beine konzentrieren und hat den Kopf frei für die Hände.
Der Faden reißt am Anfang trotzdem genauso oft. Das ist ganz normal und gehört dazu, egal womit du spinnst.
Ich tendiere für Anfänger deshalb zu beidem. Entweder ein gutes Doppeltritt-Spinnrad wie das Kromski Fantasia oder der Lojan Buddy Doppeltritt, oder eben ein E-Spinner. Ein Sonata würde ich am Anfang nicht nehmen, es ist etwas schwieriger zu treten.
Günstiger Einstieg mit Doppeltritt: Lojan Buddy
Welche E-Spinner gibt es bei uns?
Wir führen drei Elektrospinner. Sie unterscheiden sich vor allem in Gewicht, Geschwindigkeit und Spulengröße.
Louet Jenn-E
Der Louet Jenn-E wird über ein Fußpedal gesteuert. Die Geschwindigkeit reicht stufenlos bis 820 Umdrehungen pro Minute. Du kannst zwischen Scotch Tension und Irish Tension umschalten, die Drehrichtung wechselst du per Knopfdruck. Er wiegt rund 5 kg und kommt wahlweise mit Tragetasche oder Holzkoffer.
Ashford e-Spinner 3
Der Ashford e-Spinner 3 ist mit rund 2 kg der leichteste und mit 26 × 15 cm Grundfläche der kleinste. Er dreht stufenlos bis 1.800 Umdrehungen pro Minute und eignet sich damit auch für sehr feine Garne.
Ashford e-Spinner Super Jumbo
Der Ashford e-Spinner Super Jumbo ist für dicke Garne und Effektgarne gebaut. Er dreht langsamer, bis 500 Umdrehungen pro Minute, und seine große Spule fasst bis zu 1,4 kg Garn.
So klein kann ein E-Spinner sein: Ashford e-Spinner 3
Wenn du noch unsicher bist, ob es ein E-Spinner oder doch ein Spinnrad werden soll, hilft dir unsere Seite Welches Spinnrad passt zu mir? weiter.
Häufige Fragen zum E-Spinner
Ist ein E-Spinner für Anfänger geeignet?
Ja. Du musst dich nicht aufs Treten konzentrieren und hast den Kopf frei für die Hände. Ein Doppeltritt-Spinnrad wie das Kromski Fantasia ist aber genauso ein guter Einstieg.
Spinnt sich ein E-Spinner anders als ein Spinnrad?
Kaum. Du spinnst genauso mit den Händen, nur der Antrieb kommt vom Motor statt von deinen Füßen. Das Spinngefühl ist sehr ähnlich.
Was kostet ein E-Spinner?
Bei uns zwischen 740 € für den Ashford e-Spinner 3 und 1.148 € für den Louet Jenn-E mit Holzkoffer. Ein Einsteiger-Spinnrad bekommst du ab rund 450 €.
Kann ich mit einem E-Spinner auch verzwirnen?
Ja. Die Drehrichtung lässt sich per Knopfdruck umschalten, so verzwirnst du zwei oder mehr Fäden wie am Spinnrad.
Wie viel Platz braucht ein E-Spinner?
Sehr wenig. Der kleinste passt auf jeden Tisch und wiegt rund 2 kg. Nach dem Spinnen räumst du ihn einfach weg.
